Ökologische mit ökonomischen Zielen verknüpfen

Die meisten Menschen verbinden mit Peru die Anden, Machu Picchu natürlich und das Amazonasgebiet mit seinem dampfenden Regenwald. Ein großer Teil dieses abwechslungsreichen Landes ist jedoch Wüste. Perus Küste gehört zu den trockensten Gebieten der Welt, mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von 10 mm. Dennoch klagen die Menschen über verschimmelte Zimmerdecken und Wäsche, die nicht trocknen mag. Es ist der Nebel, der von Juni bis November wie ein nasser Schleier vom Meer bis in die Lomas zieht.

Lomas – das sind küstennahe Hügel mit einzigartiger Fauna und Flora, die in ihrem Wasserhaushalt völlig vom Nebel abhängig sind. Nebeltröpfchen werden von Blättern, Ästen und Kräutern gesammelt und fallen zu Boden. So gießen sich die Pflanzen selber mit Wasser.
Vor rund 80 Jahren waren die Lomas bewaldet und der Wasserkreislauf intakt. Die Bäume fielen jedoch nach und nach dem Eisenbahnbau und der expandierenden Stadt zum Opfer. So begann ein Teufelskreis: der Nebel konnte sich an immer weniger Hindernissen niederschlagen und die Lomas trockneten mehr und mehr aus.

Wir möchten die Bäume zurückholen. Neu gepflanzte Bäume brauchen aber in der ersten Phase eine zusätzliche Wasserversorgung. Darum stellen wir dem Nebel zunächst künstliche Nebelfänger in den Weg, in deren Netzmaschen die Nebeltröpfchen hängen bleiben und als Wassertropfen in eine Sammelrinne fallen. Mit einem Nebelfänger werden bis zu 600 Liter Wasser täglich ausgekämmt.
Was hat das mit den Zielen von Alimón zu tun? 

In Peru leben rund 50% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, überwiegend in den Provinzen im Andenhochland. Viele Menschen verlassen daher ihre Heimat und kommen nach Lima. Doch Arbeit ist auch in der Hauptstadt Mangelware, nicht einmal Landwirtschaft kommt in Frage, da die Zugewanderten meist in illegalen Siedlungen am Stadtrand von Lima ihre erste Bleibe finden, die nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind.
Hier wird das häufig verschmutzte Wasser in Tanklastwagen angeliefert und zum 10fachen des normalen Preises verkauft. Vor allem die Frauen haben unter den Umständen zu leiden. Es gibt viele alleinerziehende Mütter, die neben der Versorgung der Kinder einer Arbeit außerhalb des Dorfes nachkommen müssen. Oft bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Kinder tagsüber allein in der Hütte zu lassen. Mit dem Projekt Grüne Wüste möchte Alimón es diesen Müttern ermöglichen, durch Nutzgärten in der Nähe ihrer Kinder Geld zu verdienen.

Das Projekt `Desierto Verde ´ läuft zeitlich und räumlich in zwei Phasen ab:

1. Phase:
Ort: Oben auf der Hügelkuppe.
Das von den Fängern ausgekämmte Wasser wird zur Bewässerung der

Bäume benutzt.
2. Phase

Ort: Hügelkuppe und oberer Dorfrand

Das von den künstlichen und natürlichen Nebelfängern ausgekämmte Wasser wird von der Hügelkuppe runter zur landwirtschaftlichen Nutzfläche oberhalb des Dorfes geleitet.

Die in der 1. Phase oben auf der Hügelkuppe gepflanzten Bäume müssen mehr können als reine Selbstbewässerung. Mit innovativen Techniken fungieren sie als natürliche Nebelfänger. Ein Teil des von ihnen ausgekämmten Wassers wird ebenfalls in die Tanks geleitet. Das Original kopiert die Kopie.

Zusätzlich zu den Gemüsefeldern wird eine Obstbaumplantage bewässert; damit wird neben der Einkommensquelle das Risiko von Steinschlägen in dieser recht steilen Gegend reduziert.
Das beschriebene Pilotvorhaben wurde einmalig vom Global Exploration Fund von National Geographic und Bayer (http://www.nationalgeographic.de/php/society/gef/gef_gef.htm) sowie mit privaten Mitteln gefördert. Der Fond wurde 2005 vom Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer und National Geographic Deutschland gegründet und soll es Wisenschaftler/innen im deutschsprachigen Raum ermöglichen, innovative, einfache und kostengünstige Ideen zur Gewinnung, Aufbereitung und zum Schutz von Trinkwasser zu entwickeln. Die von Dr. Kai Tiedemann und Anne Lummerich entwickelte Projektidee `Green Desert´ wurde mit neun weiteren Siegern aus 94 Projektvorschlägen ausgewählt.

Es empfängt sehr viel Besuch aus anderen Dörfern. Alle wünschen sich das gleiche Projekt über ihrem Dorf - obwohl dies bei den Folgeprojekten monatelange sonntägliche unbezahlte Dorfgemeinschaftsarbeit und eine Übernahme von 50 % der Materialkosten bedeutet. Wenn die Bäume nach dem 1. Jahr eine Wuchshöhe erreicht haben, welche die Pflege durch die Dorfbewohner/innen beweist, erhält das Dorf die Hälfte der Eigeninvestition zurück.

Falls Sie vom Projekt Grüne Wüste ebenso überzeugt sind wie wir, können Sie mit Ihrer Spende einen Beitrag dazu leisten, weiteren Dörfern das Projekt zu Gute kommen zu lassen und damit gleich zwei wichtige Quellen zu erschließen:
Eine nachhaltige Wasserquelle und eine Einnahmequelle für Frauen in extremer Armut.

Spendenkonto Alimón

Kto.Nr.:107 155 5138 Alimón e.V.

BLZ:390 500 00
Tittardsfeld 102

Sparkasse Aachen 52072 Aachen

Die Weiterführung des Projekts `Grüne Wüste´:

Während des Sommers 2007/08 wurde die Bewässerung der Bäume auf der Hügelkuppe abwechselnd von den drei Siedlungen durchgeführt bis das in den Steintanks gespeicherte Nebelwasser erschöpft war. Unter der Organisation von Sra. Cristina wurde außerdem die Nutzfläche oberhalb von Bellavista den ganzen Sommer hindurch bewässert. Die Rationierung des Wassers gelang in den ersten Sommerwochen noch nicht optimal, daher war das große Speicherbecken bereits Mitte April geleert, rund 6 Wochen vor dem erwarteten Einsetzen der ersten Winternebel. Die Bewässerung ging dennoch weiter: alle Familien von Bellavista spendeten Wasser um die jungen Bäume bis zur nächsten Nebelernte weiter gießen zu können. Außerdem wurden weitere 200 Taras gepflanzt; damit wurden zusätzlich zu den 800 Bäumen auf der Hügelkuppe inzwischen insgesamt rund 700 Nutzbäume gepflanzt.

Aktuell sind alle Nebelfänger bis auf einen wieder in Betrieb (Stand: Juli 2008). Die Standard-Nebelfänger benötigten geringfügige Reparaturen, die mit Beginn der Nebelsaison Anfang Juni im Rahmen einer Faena durchgeführt wurden; der dritte Standardfänger wird in den kommenden Wochen überholt. Die Taras in der Nutzbaumzone sind hervorragend gewachsen: die größten Exemplare haben in den vergangenen 9 Monaten rund 1,60m zugelegt und messen nun schon über 1,90m!

Der Winter 2008 begann etwas früher als in den vergangenen Jahren bereits im Mai mit starkem Nebel. Die Tanks begannen sich wieder zu füllen, so dass wir schon am 15. Juni wieder über 10.000 Liter messen konnten. Sobald das gesamte Speichervolumen von 100.000 Litern gefüllt ist, wird ein Sandfilter installiert. Mit dieser Reinigungsstufe wird Wasser aus dem Überlauf des großen Speicherbeckens zu Trinkwasser aufbereitet - Wasser also, das anderenfalls lediglich kontrolliert versickert könnte. Diese zusätzliche Erschließung des Überschusswassers stellt somit keinen Interessenskonflikt zur Bewässerung der landwirtschaftlichen Nutzfläche dar.

Die Dorfvorsteherin der Nachbarsiedlung Virgen de Chapi Sector B, Sra. Magaly, wandte sich an uns mit der Bitte um Unterstützung bei der Anpflanzung von Tara oberhalb ihres Dorfes. Auf Einladung von Magaly haben wir die vorgesehene Aufforstungszone besichtigt sowie unsere Empfehlungen gegeben für die Standorte von Speicherbecken und Nebelfängern zur Bewässerung von 100 Taras. Obwohl diese kleine SIedlung nur aus rund 50 Personen besteht, unter ihnen überdurchschnittlich viele alleinerziehende Mütter, sind sie guten Mutes, die Löcher für die Bäume und vor allem das Erdbecken auszuheben.

Erst wenn all diese vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen sind werden wir einen Nebelfänger aufstellen. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass weder Arbeit noch Geld verschwendet werden für den Fall, dass der Enthusiasmus des Dorfes abebbt.

Den oben genannten Sandfilter für Bellavista und den Nebelfänger für Virgen de Chapi bezahlen wir von den rund 1.500 Euro, die erfreulicherweise während der letzten Monate an Alimón gespendet wurden. Dafür danken wir allen Spender/innen sehr herzlich. Für das Material, das für den Bau des Erdbeckens gebraucht wird, und den Maurer will das Dorf bei der Gemeinde von Villa María del Triunfo und Betrieben vor Ort um weitere Spenden bitten.

Projektweiterentwicklung

Der Sandfilter wurde für Bellavista wie geplant mit Hilfe von Spendengeldern von Alimón e.V. installiert und das Wasser von einem Wasserkomitee an des eigene Dorf verkauft. Dies war in diesem Winter besonders notwendig, da die Siedlungen unterhalb des Dorfes weiter angewachsen sind und der Wasserwagen daher immer häufiger seine Ladung bereits vor Erreichen von Bellavista vollständig verkauft hat.
Virgen de Chapi B

Mit vereinten Kräften gelang es dem Dorf Virgen de Chapi B - repräsentiert von der engagierten Dorfvorsteherin Magallly de la Cruz - mit Unterstützung von Alimón eine Förderung des Kleinspendenprogramms der deutschen Botschaft in Lima zu erhalten.

Damit konnte nicht nur ein Nebelfänger Typ `Eiffel´, der von dem Biologen Dr. Kai Tiedemann und der Biologin Anne Lummerich (beide Vorstandsmitglieder von Alimón) entwickelt wurde, bezahlt werden, sondern auch das Material für ein Speicherbecken von über 20 m³ und ein System zur Düngerproduktion für die Obstbäume bestehend aus Trockentoiletten und Ecosilos (nähere Information www.rotaria.net und ecoalke@terra.com.pe). Außerdem können mit Hilfe des Botschaftsfonds 200 Tontöpfe zur Bewässerung der Bäume und ein Wasserfiltersystem (Langsamsandfilter) finanziert werden (s.o.).

Die Arbeitslöhne für den Verputz des Speicherbeckens, des Zwischen/Endspeichers und des Sandfilters werden von Alimón Spendengeldern bezahlt
Gemeinschaftsarbeit in Virgen de Chapi B
Aufstellung des Nebelfängers Typ `Eiffel´ Dorfvorsteherin Magally de la Cruz
Aushebung des Speicherbeckens Fertiges Speicherbecken
Quebrada Alta

Dank der Spendengelder, die bei Alimón eingingen - an dieser Stelle möchten wir uns wiederum herzlich bei allen Spender/innen und dem Verein zur Förderung von Selbsthilfegruppen in Lateinamerika e.V. aus Münster bedanken (s. " Presse") ist es nun möglich, für Quebrada Alta ein unabhängiges Nebelfängerprojekt zu verwirklichen.

Das Speicherbecken (ca. 45 m³) ist zum größten Teil ausgehoben und die Bevölkerung schaffte es, allein am letzten Märzsonntag (29.03.09) knapp 10 Tonnen Sand für den Bau des Beckens den Hügel raufzuschaffen.
Von hier muss der Sand bis oben auf den Hügel getragen werden (oben links)
Zwischenstationen
Fast oben angekommen

Aktuelles

Heute - in 2012 - bilden die Bäume oberhalb von Bellavista die einzigen grünen Flecken in einer Gegend, die durch weitere Invasionen noch staubiger und grauer geworden ist. Das Wasserproblem wird durch die Neuankömmlinge noch verstärkt.

Die Projekte haben ihre eigene Dynamik entwickelt.

Die Dorfvorsteher von Bellavista schafften und schaffen es immer wieder, nicht nur die Dorfbevölkerung zu motivieren und im Rahmen von Dorfgemeinschaftsarbeiten zu organisieren, sondern auch Spendengelder von Politikern und von Privatleuten zu bekommen.

Obgleich seitens Alimon geplant war, dass die Dörfer die notwendigen Reparaturen aus dem Wasserverkauf oder dem Verkauf der Anbauprodukte generieren, sind wir dennoch sehr zufrieden über das anhaltende Engagement und freuen uns darüber, dass die Menschen versuchen, ihre Anlagen zu erhalten, auch wenn sie sich für einen anderen Weg entschieden haben.

Bis Ende 2010 wurden die Fänger regelmäßig gewartet. Darauf folgte eine Folge der Vernachlässigung, bis für der den Bau einer Straße große Wassermengen benötigt wurden und die Fänger wieder repariert wurden.

Die letzten Reparaturen wurden im September 2011 durchgeführt.